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26.04.2020

Auszeit im Carmel - Auszeit für alle

Acht Wochen sind vergangen seit meinem Urlaub im Carmel. Hin und wieder brauche ich sie, diese Auszeit auf dem kleinen Hügel im Süden Frankreichs. Wenn möglich, begleitet mich eine Freundin.

Gebet der Frauen im Karmelitinnenkloster "Carmel de la Paix" in Südfrankreich. Fotos: Renate Simon-Mathes

Die Tage sind klar strukturiert mit Gebets- und Essenzeiten, dazwischen freie Zeit und die Möglichkeit zur Mitarbeit in Haus und Garten.

"So kann also Kirche auch gelingen", denke ich mir oft in diesen Tagen. "Was wäre wenn ... was wäre wenn wir alle Angebote und Versammlungen ruhen lassen und einfach nur gemeinsam beten, Gottesdienst feiern am Morgen und am Abend und danach zum gemeinsamen Essen einladen. Welche Gespräche würden sich wohl ergeben, welche Notwendigkeiten würden wir erkennen. Vielleicht würde sich der eine oder die andere miteinbringen – freiwillig - für einige Stunden an diesem Tag. Mithelfen bei den anstehenden Arbeiten.

Als ich zurückkam war Corona noch kein Thema für uns, auch wenn sich Veränderungen im Gottesdienst abzeichneten und die ersten Meldungen über Krankheitsfälle in Deutschland im Internet zu lesen waren.

Der Alltag hatte mich mit all seinen Terminen, Störungen, Freuden und Ärger ganz schnell eingeholt. Noch ahnte niemand, was auf uns zukommt und wie schnell sich mein Wunsch nach "Weniger" erfüllen würde. Freilich, so hatte ich es mir nicht gewünscht.

Fünf Wochen lebe ich nun schon in dieser "Auszeit". Wobei ganz "Aus" war diese Zeit ja nicht.

Denn so "ausgebremst im vollen Lauf" musste ich/mussten wir im Pastoralteam auch erst einmal schauen, wie wir damit umgehen. "Hinfallen - aufstehen - Krönchen richten - weitergehen" das galt und gilt auch für uns. Mein/unser Dienst ist doch geprägt von den direkten Begegnungen, auch wenn es sich oft anders anfühlt. Diese Zeit der stark beschränkten Begegnungen macht mir diese Tatsache neu bewusst.

Ich vermisse den Schulbetrieb mit dem Lärm am Pausenhof und dem (nicht immer so) konzentrierten Arbeiten während der Unterrichtststunde. Ich vermisse das Spiel mit den Kleinsten und die Gespräche mit deren Eltern, ich vermisse die Besuche bei den Menschen mit (sehr) langer Lebenserfahrung, ich vermisse die gemeinsamen Gottesdienste, ich vermisse ..., ich vermisse ...

Die Gedanken vom Carmel über eine andere Form von Kirche sein sind noch lebendig in mir. Aber dann bitte nicht aufgrund einer erzwungenen Auszeit, sondern weil es uns der Geist Gottes eingegeben hat.


 

Autorin

Renate Simon-Mathes, Gemeindereferentin im Pfarrverband Nürnberg-Langwasser